Verlage und Sender


Informationsaustausch bei ARTE
Tarifverhandlungen in Straßburg

 

Bei ARTE stehen Gehaltstarifverhandlungen an, die verknüpft werden sollen mit einer neuen Struktur bei den Gehaltseingruppierungen. 30% der Mitarbeiter*innen bei ARTE in Straßburg sind Deutsche. Zwischen den französischen und deutschen Kolleg*innen gibt es vertragliche Unterschiede, die beispielsweise aus den anders ausgestalteten Sozialversicherungen herrühren.

Gründe genug, um den Kontakt zu den ARTE-Kolleg*innen und zur Geschäftsleitung zu suchen. Im Februar trafen sich DJV-Landesvorsitzende Dagmar Lange und Landesgeschäftsführer Martin Wedekind in Straßburg mit Emmanuel Suard, Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor von ARTE, Carmen Lebold, Personalchefin, sowie Annick Dauffer, Referentin für Grundsatzfragen und stellvertretende Hauptabteilungsleiterin Personal, zu einem intensiven Austausch. Zu unseren Themen gehörten die bessere Vertretung des DJV vor Ort und die Probleme der Redakteur*innen. In der Folge dieses Gesprächs hat der DJV eine Vereinbarung mit ARTE Geie unterzeichnet, in der es unter anderem heißt: „Der DJV ist eine deutsche Gewerkschaft, die bei ARTE GEIE Mitglieder hat und deswegen auch Tarif- und Sozialpartner des Unternehmens ist.“ Dies bedeutet, der DJV benennt einen „Mandatsträger in der Gewerkschaftsdelegation“, der/die mit den Rechten eines/einer Gewerkschaftsdelegierten nach französischem Recht ausgestattet ist. Außerdem benennt der DJV einen „Mandatsträger im Betriebsrat“, der/die mit den Rechten eines/einer Gewerkschaftsrepräsentanten/in im Betriebsrat ausgestattet ist. Unser Mitglied Katja Harsdorf wird für das Comité Social & Economique (CSE, also Betriebsrat) kandidieren und zwar über die Liste der SNJ (Syndicat National des Journalistes). Die Wahl wird voraussichtlich im November stattfinden. Katja Harsdorf wird bei den laufenden Tarifverhandlungen zu Gehalt und Struktur (geplantes Abschmelzen der Einstiegsgehälter) dabei sein. Zudem wird mit Michael Hirschler ein externer DJV-Vertreter an den Verhandlungen teilnehmen. Unser Ziel ist es, das geplante Abschmelzen der Einstiegsgehälter zu verhindern. Denn Suard und Lebold planen eine Unterscheidung bei der Eingruppierung in Anfänger, Kolleg*innen mit mittlerer Erfahrung und den „Professionals“.

Laut Carmen Lebold sei die Belegschaft bei Arte überaltert, man könne aber junge Leute nicht einstellen, weil die bisherige Gehalts-/Honorargruppierung nur Experten erlaube. Man möchte sich verjüngen und flexibler aufstellen. Sowohl Katja Harsdorf wie auch andere Kolleg*innen, die wir vor Ort sprechen konnten, meinen hingegen, nur ein(e) versierte(r) Journalist(in) könne den anspruchsvollen Aufgaben bei ARTE gerecht werden. Man fürchtet Light-Vertragsbedingungen. Hintergrund ist nicht zuletzt, dass der französische Staat die Zuschüsse für ARTE gesenkt hat, die Beiträge aus Deutschland werden erfahrungsgemäß mit einer Zeitschleppe ebenfalls vermindert.

Dagmar Lange


SWR-Intendant*innenwahl:
DJV fordert Chancengleichheit

 

Der SWR bekommt eine neue Intendantin oder einen neuen Intendanten – zwei Kandidat*innen hat ein vorbereitender Gremien-Ausschuss aus dem Bewerber*innenfeld herausgefiltert: Stefanie Schneider, Landessenderdirektorin Baden-Württemberg des SWR, und Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell. Die Entscheidung treffen Rundfunkrat und Verwaltungsrat des SWR in gemeinsamer Sitzung. Intendant Peter Boudgoust hatte im Dezember seinen vorzeitigen Rückzug für Mitte des Jahres angekündigt. Der Vorstand des DJV Landesverbandes Baden-Württemberg appellierte an die Mitglieder des SWR-Rundfunk- und Verwaltungsrates, nicht aus Gründen der zeitlichen Effizienz nur zwei Kandidaten ins Rennen zu schicken. „Zu den demokratischen Grundprinzipien gehört eine echte Wahl. Wenn von den 15 Bewerbungen letztlich nur die Auswahl zwischen zwei Kandidat*innen besteht, wird die Chance zu einer pluralistischen Meinungsbildung vertan,“ so Dagmar Lange, 1. Landesvorsitzende des DJV. Nicht zuletzt würden damit auch die weiteren Kandidat*innen düpiert, wenn sie ihre Vorstellungen zur Zukunft des SWR nicht vortragen dürften und damit von Anfang an chancenlos seien. Die Wahl soll Ende Mai stattfinden.

Nachtrag: Nach Redaktionsschluss entschieden sich Rundfunk- und Verwaltungsrat am 22. März mit großer Mehrheit nur die beiden genannten Bewerber zur Wahl zuzulassen.

red


Nächste Tarifrunde wird spannend
SWR Vergütungstarifverträge werden neu verhandelt

 

DJV, ver.di und DOV haben die Vergütungstarifverträge mit dem SWR zum 31. März turnusmäßig gekündigt. Der Bundes-Fachausschuss Rundfunk empfiehlt für die ARD-Sender eine Forderung von 6 % im Volumen für Gehälter und Honorare. Nach dem interessanten Abschluss im Öffentlichen Dienst erwarten wir eine spannende Tarifrunde.                                                        

Anke Vetter


SWR Honorar
Systemwechsel bei der Honorierung im Südwestrundfunk

 

Seit dem 1. Januar 2019 gilt im SWR die neue Honorarstruktur, die Gewerkschaften und SWR über viele Jahre ausverhandelt haben und die den festen freien Kolleg*innen eine Beschäftigungsgarantie und ein gesichertes Einkommen verschafft. Mit dem neuen System werden die festen Freien jetzt ganz auf Zeitbasis honoriert. Das war zuvor nur bei den sogenannten Tischdiensten wie CvD, Planer … der Fall; Reporter und Feature-Autoren erhielten Stückhonorare, die jetzt in das neue System umgerechnet werden.
 
Es werden fast 1.800 freie Kolleg*innen „übergeleitet“. D. h. es wird aus ihrer bisherigen Tätigkeit ein individueller Tageshonorarsatz ermittelt, mit dem sie in ein sogenanntes Honorarband eingestuft werden. Und in diesem Honorarband steigen sie alle zwei Jahre eine Stufe höher – ein absolutes Novum.
 
Allerdings konnten sich nicht alle gleich über dieses neue System freuen, denn es gab und gibt Anlaufschwierigkeiten. Das ist bei einem solch weitreichenden Systemwechsel nicht überraschend, aber für die Betroffenen natürlich sehr ärgerlich. Die Überleitung ist sehr aufwändig, und leider hat der SWR den Aufwand – trotz unserer ständigen Hinweise – unterschätzt. So kam und kommt es zu Verzögerungen bei den Berechnungen, den Überleitungsgesprächen und jetzt auch den Nachberechnungen. Es kam zu falschen Berechnungen mit zu niedrigen Honorarsätzen, die korrigiert und neu berechnet werden müssen.
 
Die gesamte Überleitung ist Sache der SWR-Personalabteilung, wird aber natürlich von uns Gewerkschaftern und Personalräten eng begleitet. Wir beraten die Kolleg*innen, die mit Fragen zu uns kommen und helfen denen, die Probleme haben. Bei größeren Problemen hilft unser Geschäftsführer Martin Wedekind weiter.
 
DJV und ver.di sind in stetem Austausch mit dem SWR, um Unklarheiten bei der Umsetzung des Tarifvertrags zu beseitigen und den gemeinsamen Verhandlungserfolg zu realisieren. Ist diese Anlaufphase erst einmal überstanden, werden sich alle festen Freien über die garantierte Beschäftigung und das sichere, regelmäßig steigende Einkommen freuen können.

Anke Vetter